"Tabellenplatz war für meinen Rückzug als Trainer nicht ausschlaggebend"

Interview mit Jens-Uwe Scherf, neuer Abteilungsleiter Fussball beim SV Grün-Weiß

Jens-Uwe Scherf war zwei Jahre lang Trainer der Langendorfer Kreisoberligafussballer. Zur kommenden Saison hat er den Posten des Abteilungsleiters Fussball beim SV Grün-Weiß Langendorf übernommen. Im ersten Teil eines ausführlichen Interviews blickt er auf seine Zeit als Trainer zurück, setzt sich noch einmal mit den Ursachen des Abstiegs in die Kreisliga auseinander, erklärt seine Entscheidung zum Rückzug vom Trainerposten und spricht über seine neuen Aufgaben als Abteilungsleiter Fussball im Verein. Das Interview führte Jan Zimmermann.

Frage:   Bevor wir in Gegenwart und Zukunft schauen, wollen wir erst noch einmal auf Ihre Zeit als Trainer der ersten Männermannschaft der GWL-Fussballer zurückblicken. Während es in Ihrer ersten Trainersaison noch für den Klassenerhalt in der Kreisoberliga reichte, mussten Sie am Ende der abgelaufenen Saison mit der Mannschaft den Weg in die Kreisliga antreten. Woran lag es aus Ihrer Sicht, dass es im 5. Kreisoberligajahr nicht mehr gereicht hat?

Scherf:   Bedauerlicherweise konnten in der zurückliegenden Saison weitere Abgänge von wichtigen Leistungsträgern nicht kompensiert werden. Gerade im Offensivbereich wurde dies spürbar. Gleichzeitig hat die Misere bei der Besetzung der Torwartposition auch in der abgelaufenen Saison angehalten, wodurch wiederholt verschiedene Feldspieler zwischen den Pfosten gestanden haben. Insgesamt hat die Mannschaft keine stabile Besetzung und Spielweise erreicht, die eine Fortsetzung der Zugehörigkeit zur Kreisoberliga gerechtfertigt hätte. Nicht zuletzt hat die zu geringe Trainingsbeteiligung immer wieder dazu geführt, dass wir konditionell nicht über 90 Minuten in der Lage waren, mitzuhalten, einen Torvorsprung zu behaupten oder einstudierte Spielzüge oder Standards zu zeigen. Insgesamt war der Abstieg in die Kreisliga aus den genannten Gründen folgerichtig.

Frage:   Trotz des sportlichen Misserfolgs gab es sicherlich auch kleinere Lichtblicke in Ihrer Zeit als Cheftrainer, an die Sie durchaus gern zurückdenken. Welche persönlichen Erfahrungen und Momente oder auch einzelne Spieler, deren sportliche Entwicklung eine äußerst positive war, haben Sie dabei im Hinterkopf behalten?

Scherf:   Die zwei Jahre als Trainer in Langendorf waren für mich nicht immer einfach, haben trotz mancher Niederlagen und dem zeitweiligen Gefühl, zu wenig Unterstützung zu haben, aber natürlich auch positive Momente geboten. Sehr gute Leistungen der Mannschaft, z.B. im Pokalspiel gegen den 1. FC Zeitz oder die beiden Unentschieden gegen Blau-Weiß Zorbau II. in der letzten Saison, haben mir gezeigt, welches Potential in der Truppe steckt, wenn alle an Bord waren und die nötige Einstellung herrschte. Ebenso erfreulich war für mich die positive Entwicklung verschiedener junger Spieler wie Sven Theile oder Philipp Kern, die sich in die 1. Mannschaft hineingespielt und mir bewiesen haben, dass mein Training Früchte trug und welche Fortschritte mit dem entsprechenden Engagement und Trainingsfleiß möglich sind.

Frage:   Zwei Jahre lang waren Sie Cheftrainer der ersten Langendorfer Fussballmänner. Es war Ihr erster Posten als Fussballtrainer einer Männermannschaft. Wenn Sie ein Gesamtfazit Ihrer ersten Trainerzeit ziehen müssten, wie würde es ausfallen? Was hat Sie sowohl im positiven als auch im negativen Sinne an diesem Posten am meisten überrascht?

Scherf:   Nachdem ich bisher nur Nachwuchsmannschaften trainiert hatte, habe ich im Erwachsenenbereich nicht erwartet, dass sich die Frage der Trainingsbeteiligung zu einem der schwierigsten Themen entwickeln sollte. Trotz vielem Lob für die inhaltlichen Seiten meines Trainings ist die Zahl der Spieler, die zum Training gekommen sind, über die Saison kontinuierlich gesunken und mir war es selten möglich, technisch-taktische Fragen im Training zu schulen. Gleichzeitig haben mich die deutlichen Defizite in der athletischen und balltechnischen Ausbildung vieler Spieler überrascht, deren Behebung mir nur bedingt gelungen ist. Zurückschauend muss ich bilanzieren, dass meine umfangreiche Vorbereitung jeder Trainingseinheit nicht den Nerv der Truppe getroffen hat. Den persönlichen Anspruch jedes Einzelnen und seine konsequente Leistungsbereitschaft im Sinne des Vereins und der Mannschaft vermisste ich bei einer Reihe von Spielern schmerzlich. Sehr positiv habe ich die Akzeptanz meiner Person und meiner Arbeit erlebt.

Frage:   Sie hatten bereits gegen Ende der abgelaufenen Saison angekündigt, dass Sie als Trainer der neuen Kreisligamannschaft nicht mehr zur Verfügung stehen werden. Was hat für diese Entscheidung letztlich den Ausschlag gegeben?

Scherf:   Über den Saisonverlauf hatten sich die bereits angesprochenen Probleme in meiner Trainertätigkeit leider nicht reduziert, so dass ich besonders in der Rückrunde die Sinnhaftigkeit meines Tuns zunehmend selbst in Frage gestellt habe. Aufwand und Nutzen standen in keiner Relation mehr und ich musste feststellen, dass ich doch mit zu vielen Dingen allein da stand. Das Fehlen eines Abteilungsleiters und einer funktionierenden Organisation, speziell an den Spieltagen, haben zunehmend eine hohe Belastung dargestellt und meine Motivation nicht gefördert. Ich bin ein sehr ehrgeiziger Mensch, doch ich musste erkennen, dass eine wirksame und niveauvolle Arbeit unter den Bedingungen in der letzten Saison nicht weiter in ausreichendem Maß möglich war. Daher hatte ich bereits im April 2013 die Entscheidung getroffen, mein Amt nach der Saison - unabhängig vom Tabellenplatz - abzugeben.

Frage:   Wir wollen nach vorn schauen. In der Sommerpause hat sich im Männerbereich der Fussballabteilung einiges verändert. Sie haben den Posten des Abteilungsleiters Fussball übernommen, den Sie de facto letzte Saison aus Personalmangel schon mit ausgeübt haben. Was muss man sich unter den Aufgaben eines Abteilungsleiters Fussball im Verein vorstellen?

Scherf:   Aus den persönlichen Erfahrungen der Defizite in der Abteilung Fußball hat mein Entschluss hergerührt, die unbefriedigende Situation bei der Leitung der Fußballabteilung zu verändern und die Funktion des Abteilungsleiters zu übernehmen. In erster Linie ist dieses Amt die Interessenvertretung der Spieler und Übungsleiter gegenüber dem Vereinsvorstand zur Absicherung eines ordnungsgemäßen Trainings- und Wettkampfbetriebes. Dazu hat der Abteilungsleiter eine Abteilungsleitung zu schaffen, die die materiellen und organisatorischen Grundlagen dafür gewährleistet. Besondere Beachtung muss dabei der Entwicklung des Nachwuchsbereiches geschenkt werden. Eine enge Zusammenarbeit mit dem Kreisfachverband (KFV) Fußball und dem Landessportbund, den Eltern und - nicht zu vergessen - den Sponsoren runden das Aufgabengebiet des Abteilungsleiters ab, der den Verein in diesen Fragen nach Außen vertritt und sich für die Belange des Vereins einzusetzen hat.

Frage:   Ist dieses Amt im Verein rein mit organisatorischen Aufgaben im Tagesbetrieb betraut oder gibt es in dieser Position auch Gestaltungsspielraum für eigene Konzepte und Vorstellungen, was die Struktur der Fussballabteilung betrifft? Inwiefern wollen und können Sie da als neuer Abteilungsleiter Fussball eine persönliche Note setzen? Das Anpacken welcher Aufgabe ist Ihnen in Ihrem neuen Posten besonders wichtig?

Scherf:   Da ich bereits viele Jahre als Jugendleiter und Vereinsvorsitzender beim WFV Schwarz-Gelb tätig gewesen bin, möchte ich meine Erfahrungen und Kenntnisse in der Abteilung einbringen. In erster Linie geht es mir darum, schnell solche Strukturen aufzubauen, damit die Tätigkeit der Übungsleiter aller Mannschaften sich vorwiegend auf die sportlichen und erzieherischen Fragen konzentrieren kann. Regelmäßige Beratungen und der Meinungsaustausch gehören dazu ebenso wie die Stellung und Verfolgung klarer Ziele für die Saison und ihrer Gestaltung. Verantwortliche für die materiellen Mittel und die Öffentlichkeitsarbeit werden diese Vorhaben unterstützen.

Der zweite Teil des Interviews mit Jens-Uwe Scherf folgt am kommenden Freitag an dieser Stelle. Darin spricht er über die Zukunft von Langendorfs Fussballnachwuchs, den neuen Trainer der Langendorfer Kreisligamannschaft und dessen neues Trainerteam an seiner Seite sowie über Zielsetzungen und Herausforderungen der anstehenden Kreisligasaison für Langendorfs Fussballmänner. Reinschauen lohnt sich also!